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Der "Star" Testbericht aus:
"Der Deutsche Strassenverkehr" - Januar 1965
 

Der „Star" wurde als letzter der Suhler Simson-Vögel („Schwalbe", „Spatz") flügge. Leider ist er noch rar, und auf ihn warten wahrscheinlich noch mehr Interessenten als damals auf die „Schwalbe".

Jedenfalls war das neue Simson Kleinkraftrad oft dicht von Passanten (und gar nicht mal nur jüngeren) umlagert, stellten wir es irgendwo in der Stadt ab. Oft kamen wir um Kurzvorträge nicht herum und die Frage: „Wann kann man den Star kaufen?" musste ohne Beantwortung bleiben.

Trotz mehrfacher Mitteilungen in der Presse, dass die Serienfertigung des Kleinkraftrades in Suhl ebenfalls angelaufen sei, stellten sich bis Anfang Dezember noch keine „Stare" in den Kfz- Verkaufsstellen ein.
Wir behaupten, dass der „Star" zur Zeit das gefragteste Fahrzeug aus dem Zweiradangebot ist. Selbst wenn der Schnee meterhoch vor den Verkaufsstellen läge, würde er wohl kaum einen Tag hinter der Schaufensterscheibe verbringen können - er wäre im Handumdrehen verkauft.


Das neue Suhler Kleinkraftrad ist genau das, was 15- bis 17jährige sich seit Jahren sehnlich wünschten. Es entspricht - ausnahmslos alle Beurteilungen durch diese Altersgruppe bestätigten das - zunächst auch in allen äußeren Details den Vorstellungen der motor-
begeisterten Jugend von einem "schauen" Fahrzeug.
Dass es gelungen ist, trotz weitgehender Standardisierung des Fertigungsprogramms zugunsten großer Stückzahlen und rationeller Produktion dem Kleinkraftrad eine durchweg elegante, ansprechende Linie zu geben, ist besonders erfreulich. Anteil am tadellosen Aussehen des Fahrzeuges hat die gut abgestimmte Zweifarbenlackierung von der die zunächst gewählte Kombination Signalrot/Grau wahrscheinlich den besten Effekt erzielt.


Die polierten Aluminiumfelgen passen auf jeden Fall besser zum „Star" als lackierte Stahlfelgen, die das Moped "Spatz" besitzt.

Alles in allem: Die Suhler haben es endlich geschafft, auch die kleinste Motorradkategorie äußerlich attraktiv herzurichten.


Eine kleine Begebenheit sei hier erwähnt. Ein nicht mehr ganz junger Mann hatte unser Testfahrzeug auf einem Parkplatz entdeckt, wartete bis wir zurückkamen und begrüßte uns überzeugt: Ach, das ist die neue NSU, nicht wahr?
"NSU? Sie meinen Simson Suhl?!", korrigierten wir ihn; aber er schien es besser zu wissen:
Nein, ich meine die Neue aus Neckarsulm. Sieht ja wirklich flott aus, die Kleine. Er war nicht zu bekehren und wir fuhren schließlich weiter. Wie man sich doch irren kann...


Heute genügt es längst nicht mehr, nur zuverlässige Motorräder zu bauen. „Auch ein Moped muss nach etwas aussehen", meinte ein jugendlicher Gesprächspartner. Mit dem „Star", so erklärte er, erfüllte sich ein langgehegter Wunsch. Wir können gleichfalls bestätigen, dass der „Star" seinen Namen zu Recht trägt.

 

Rechts neben der Batterie ist der
Entlüftungsschlauch zu sehen, der nach unten ins Freie führt.
Die Verschalung der rechten Motorseite, hinter der sich das auf der Kurbelwelle sitzende Flügelrad befindet und der Kühlluftstrom geführt wird, lässt den kleinen 50-ccm-Motor recht gewaltig erscheinen.
 

 

Das, was ihn von seinem kleineren Bruder, dem Mokick „Spatz", vor allem unterscheidet, ist sein wesentlich stärkerer Motor.
Es ist der gleiche 50ccm -Zweitaktmotor, mit dem auch der Simson-Kleinroller „Schwalbe" ausgerüstet wurde. Allerdings besitzt der „Star" als richtiges kleines Motorrad Fußschaltung, die wir uns auch - zumindest wahlweise - am Kleinroller wünschten, (siehe Testbericht im Augustheft 1964.)
Der Motor, der die Bezeichnung "M 53 KF" trägt, leistet bei 6500 U/min etwa 3,4 PS. Sein Zylinder wird durch ein Radialgebläse, dessen Flügelrad direkt auf der Kurbelwelle sitzt, zwangsgekühlt.

Da er außerdem teilweise vom Fahrtwind umstrichen wird, dürfte eine Überhitzung des Motors mit allen üblen Begleiterscheinungen (Kolbenklemmer, Glühzündungen) auch bei hochsommerlichen Temperaturen und flotter Fahrt kaum auftreten.
Wir konnten das selbst nicht untersuchen, da uns der „Star" für Testzwecke in den Monaten Oktober und November zur Verfügung stand.
 

 

Von hinten ist der „Star" vom „Spatz“ kaum zu unterscheiden. Die Soziusfußrasten gehen mit der Schwinge auf und ab, was keine Wohltat für die Kniegelenke des Mitfahrers ist.
Von unten wird das auf dem Gepäckträger beförderte Gut bei Regenwetter recht stark mit Schmutz bepflastert.
Wie wäre es mit einem serienmäßigen Spritzschutz am Kotflügellende?
  

Hinter dem breiten Vorderradkotflügel bleibt der Motor sehr sauber. Das seitliche Abdeckblech wird von einer, zentralen Rändelmutter gehalten. Die Batterie sitzt schön fest im Rahmenmittelteil. Leider wird sie vom Hinterradreifen recht stark mit Schmutz eingedeckt. Die Ideallösung stellt die Verlegung des Bowdenzuges der Hinterradbremse (unterhalb der Lagerung des Schwingenarmes) absolut nicht dar. Wasser und Schmutz können ungehindert in den, Bowdenzug eindringen. 


Der Motor ist außerordentlich startfreudig. Mit geschlossener Startklappe, die sich in der Filterschale befindet und über einen kleinen Zugknopf betätigt werden kann, sprang er nach Fluten des Schwimmergehäuses spätestens beim zweiten Tritt auf den Kickstarter an.

Unmittelbar darauf konnte die Luftklappe selbst bei leichtem Frost wieder ganz geöffnet werden, ohne dass der Motor stehen blieb. Ein wenig primitiv mutet das Drahtgestänge zwischen Starterzugknopf und -klappe an, das sich nach allen Himmelsrichtungen verbiegt, so dass dem Fahrer die genaue Kontrolle darüber fehlt, ob die Luftklappe denn auch wirklich wieder den gesamten Ansaugquerschnitt freigibt.

Zweifel daran, dass das tatsächlich der Fall ist, kamen uns, als wir den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch feststellten. Er war mit 3,1 l/100 km höher als bei der "Schwalbe" (2.8l/100 km).


Freilich, wir fuhren mit dem „Star" meist bei Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad während der Kleinroller im Frühsommer von uns erprobt wurde, aber dennoch erscheint uns der Kraftstoffverbrauch für ein 50-ccm- Fahrzeug, das eine Geschwindigkeit von 60 km/h kaum überschreitet und zudem sehr selten mit zwei Personen besetzt war, zu hoch.

Der Spitzenverbrauch lag sogar bei 3.5 l/100 km. Wie wir hörten, ist die Berliner Vergaser-Fabrik dabei, einen neuen Vergaser für die Suhler Motoren zu entwickeln, der die Gemischaufbereitung verbessern und den Kraftstoffverbrauch senken soll.


Getankt werden „VK Extra" und legiertes Hyzet-Zweitaktmotorenöl im Verhältnis 33 : 1. Obwohl der Tank etwa 8.5 l Kraftstoff aufnimmt mussten wir beinahe genauso häufig an eine Tankstelle rollen wie mit der „Schwalbe" deren Tank nur 6,8 l fasste.
Der wünschenswerte Aktionsradius von 300 km mit einer Tankfüllung wird vom „Star" bei voller Ausnutzung seiner Leistung nicht ganz erreicht. Das ist bedauerlich, zumal der hübsche moderne Tank recht viel verspricht.

Über die Reservestellung des Benzinhahnes laufen dem Vergaser noch 1,5 ltr. Kraftstoff zu, genug, um damit die nächste „Minol-Oase" zu erreichen.


Die Kurbelwellenhauptlager werden vom Getriebeöl (500 ccm) mitgeschmiert. Selbstverständlich läuft auch die Vierscheiben-Lamellenkupplung im Ölbad. Schleudern die Getrieberäder zuviel Öl durch die Öffnung in der oberen Trennwand in den Kupplungsraum, läuft es über eine Rinne, in die es das Kupplungszahnrad fördert, wieder in den Getrieberaum zurück.


Das über den Fußhebel auf der Kickstarterseite zu betätigende klauengeschaltete Dreiganggetriebe funktionierte tadellos - bis auf eine Eigenheit die aber, hat sich der Fahrer daran gewöhnt, nicht weiter auffällt. Man kann nämlich bei stehendem Fahrzeug das Getriebe nur mit großer Mühe und erheblichem Druck bzw. Zug am Schalthebel in Leerlaufstellung bringen. Das ging beim Kleinroller mit Drehgriffschaltung wesentlich besser.


Nicht schwieriger als zum Beispiel bei MZ-Motoren lässt sich der Leerlauf dagegen finden, wenn er noch beim Ausrollen des Fahrzeuges eingeschaltet wird. Man kommt in den meisten Fahrsituationen mit dieser Methode gut zurecht. Übrigens sprang bisweilen der dritte Gang beim Beschleunigen heraus.

 

Die Lamellenkupplung trennte auch dann noch sauber, wenn das Öl im Kupplungsraum ausgekühlt und steif war. Nachzustellen brauchten wir die Kupplung nicht, obwohl wir stets - auf maximale Beschleunigung bedacht - recht unsanft mit ihr umgingen. Die jetzt vorhandenen zwölf Mitnehmernasen der Lamellen (früher sechs) tragen sicherlich zu einer langen Lebensdauer der Kupplung bei, die ja beim Zweipersonenbetrieb echt großer Beanspruchung ausgesetzt ist.


Elektrisch bietet der „Star" eine Menge Erfreuliches. Neben dem Zündstromkreis gibt es zwei Lichtstromkreise mit einer 15-Watt- und einer 18-Watt-Lichtspule. Die 15-Watt-Lichtspule versorgt die Bilux- Lampe (Fern, Abblendlicht, am Tage Lichthupe) mit Strom.
Die 18-Watt-Spule die Ladeanlage für die Batterie, das Rück- bzw. Bremslicht und die Tachometerbeleuchtung.


Da die Bremslichtsoffitte allein 18 Watt schluckte, erlöschen im Moment des Aufleuchtens der Bremsleuchte das Rücklicht und die Tachometerbeleuchtung. Die Batterie, die an Hupe, Blinkleuchten, Parkleuchte und Leerlaufkontrolllampe Strom abgibt, wird über einen Siliziumgleichrichter und eine Drosselspule mit Gleichstrom aufgeladen. Ob stark oder schwach (die Ladeanlage besitzt ja keinen aufwendigen Regler) - das kann der Besitzer des „Star" bestimmen, indem er je nach Einsatz des Fahrzeuges und Jahreszeit die Klemmanschlüsse an der Drosselspule (grün-rote Leitung = viel Ladung, grüne Leitung = wenig Ladung) tauscht.


Die zwischen Motorblock und Hinterrad hinter der Verkleidung angeordnete 6-Volt-Batterie hat eine Kapazität von 4,5 Ah. An den Polen bleibt sie dank des nach unten wegeführenden Entlüftungsschlauches sehr sauber. Ihre Abdeckung zum Hinterrad hin, dessen Reifenstollen bei Regenwetter Wasser und Schlamm in Richtung Batterie fördern, lässt noch zu wünschen übrig.
Auf der Batterieplattform kam es zu Rostbildung, der einzigen am Fahrzeug überhaupt. Weil aber erfahrungsgemäß gerade nach der Batterie selten gesehen wird, solange keine Unregelmäßigkeiten in der elektrischen Anlage auftreten, kann der Rost unter der und rund um die Batterie Schaden anrichten, der sich bei sorgfältigerer Batteriekapselung vermeiden ließe.
Vielleicht sind wir durch die vorbildliche Batterieunterbringung bei der „Schwalbe" von Simson etwas zu sehr verwöhnt worden.


Der große Scheinwerfer mit 136 mm Lichtaustritt ist eine Zierde für ein 50-ccm-Fahrzeug. Seine Lichtausbeute erlaubt auch nachts flott zu fahren, obwohl er nur mit einer 15/15 W Biluxlampe ausgerüstet ist. Sehr wirkungsvoll lässt sich am Tage die Lichthupe einsetzen. Mit ihr besitzt der „Star" ein Plus, das man an ausgewachsenen Motorrädern ausländischer Produktion bisher vergeblich suchte. Die Leistung der Lichtspule reicht logischerweise nicht aus, um bei Abblendlicht zusätzlich mit Licht zu hupen. Dann muss man schon über den Kippschalter kurz aufblenden.

 

Sogar einen Ersatzschlauch kann man in der Ablage unter der Sitzbank neben Werkzeug, Ersatzglühlampenkästchen und Zündkerzen unterbringen. An der Unterseite der Sitzbank hat die Luftpumpe ihren Platz.
Warum muss man das Lenkerblockschloss (hier am Sitzbankschloss zu sehen) stets in der Hosentasche aufbewahren?
 

 

Im Scheinwerfergehäuse geht es recht eng zu, da in ihm die zahlreichen Kabelverbindungen der wirklich umfangreichen elektrischen Anlage über ein Klemmbrett hergestellt werden.

Zündschloss-, Tachometerbeleuchtung Leerlaufkontrolllampen und Parklichtanschlüsse liegen hier konzentriert und gut geschützt beisammen. Die neuartigen Steckverbindungen bereiteten uns wahrend unserer Testfahrten keinen Ärger. Bei der Demontage zum Beispiel der Lenkerverkleidung sind die Zuleitungen zur Parkleuchte mit einem Handgriff abgezogen.

Die Qualität der 18-Watt-Soffitten in den Blinkleuchten hat uns (wie schon bei der „Schwalbe") angenehm überrascht. Nicht eine Soffitte fiel aus. An dieser Stelle müssen wir gerechterweise dem Herstellerwerk (VEB Glühlampenwerk Oberweißbach) bescheinigen, dass es in den vergangenen Monaten mit Erfolg an der Beseitigung der auch in unserer Zeitschrift mehrfach gerügten Qualitätsmängel seiner 18-Watt-Soffitten gearbeitet hat.


Dass wir uns während der rund 1800 Testkilometer nicht ein einziges Mal veranlasst sahen, die Zündkerze herauszuschrauben, wird manchem „Schwalbe" Fahrer wie ein Märchen anmuten. Die 240er ( Zündkerze) mit der wir den „Star" fuhren, hielt alle Strapazen, denen sie ausgesetzt war, schadlos aus. Nicht einmal die Elektroden waren „angeknabbert". Sicherlich haben an der unerwartet guten Standzeit der Kerze die niedrigen Außentemperaturen ihren Anteil. Selbst dann wenn wir dem „Star“ zwei Sunden und länger Vollgas anboten und der Motor sehr harte Arbeit leisten musste, brauchten wir nicht einmal Kerzenbrücken zu beseitigen. Sollte daran der trotz Zwangskühlung zusätzlich im Fahrtwind liegende Motor „schuld" sein?

Und damit wären wir beim Motor. Wer vom drehgriffgeschalteten Zweigangmoped auf den „Star" umsteigt, fühlt sich als richtiger Motorradfahrer. Knieschluss und Fußschaltung und dazu der drehfreudige, temperamentvolle 3,4-PS-Motor verwischen den Eindruck, auf einem Fahrzeug der kleinsten Hubraumklasse zu sitzen.

Das Beschleunigungsvermögen des „Star" versetzte so manchen Autofahrer in Erstaunen, wenn wir uns an Kreuzungen blitzschnell aus dem Pulk der startenden Fahrzeuge lösten. Geht man mit dem zweiten Gang knapp die 40 km/h Marke auf dem Tachometer an, hat der dritte Gang guten Anschluss, und der „Star" fließt im allgemeinen Verkehrsstrom mit, als sei das für seine 49,6 ccm ein Kinderspiel.


Kurz vor dem Erreichen der höchsten Drehzahlgrenze, etwa im Geschwindigkeitsbereich ab 55 km/h, spüren Fahrer und Sozius ein deutliches Kribbeln in den Fußrasten. Obwohl der Motor in Gummi gelagert ist werden noch immer erhebliche Vibrationen ins. Fahrgestell übertragen. Das müsste man dem „Star" in Suhl noch abgewöhnen.


Das maximale Drehmoment liegt mit 0,38 kpm bei 6000 U/min, seine Höchstleistung von 3.4 PS erreicht der Motor bei 6500 U/min. Daraus geht hervor, dass man sich vor hohen Drehzahlen nicht fürchten darf, will man in den Genuss der vollen Motorleistung kommen. Das ist vor allem für den Zweipersonenbetrieb wichtig. Mit niedrigen Drehzahlen, hart am Untertouren, schont man einen so kleinen Motor niemals, wie leider noch von manchem angenommen wird, sondern gibt der Kurbelwelle den Lagern und auch der Kette allmählich den Rest, 50-ccm-Motoren muss man eben zu Drehzahlen verhelfen.


Wir sagen das, weil uns Kleinroller- und Mopedfahrer, an denen unser „Star" singend" vorüberzog, bei sich bietender Gelegenheit vor Ampeln, an Tankstellen usw. zu verstehen geben, dass wir so den Motor ruinieren Würden.Seltsamerweise wurde unser „Star“ trotz dieser angeblich lieblosen Behandlung nicht müde.

Er erreichte die zulässige Stadtgeschwindigkeit von 50 km/h in 13,5 sec. und schaffte das 60-km/h-Tempo in 20 sec. nach 9 sec. fuhr er schon mit einer Geschwindigkeit von 40 km/h.

Auf das Tachometer konnten wir uns - es geschehen noch Wunder! - hundertprozentig verlassen. Es zeigte sehr genau an, die Nadel zitterte nicht. Und dass der „Star" hinsichtlich der Beschleunigung ein wenig schlechter abschnitt als die „Schwalbe", führen wir auf die ungünstigeren Witterungsbedingungen zurück.

Während unserer Messungen herrschten Temperaturen um 5 Grad es war nie ganz windstill, und unser Fahrer hatte wetterfeste Kleidung an, die den Luftwiderstand zweifellos vergrößerte. So erklären wir uns auch die geringe Differenz zwischen den erzielten Höchstgeschwindigkeiten.

Unser „Star" erreichte genau 62 km/h („Schwalbe" 63 km/h). Mit zwei Personen besetzt sind, nach entsprechend längerer Anlaufzeit, die vom Werk angegebenen 60 km/h ebenfalls realistisch.

Bei 200-km-Fernverkehrsstraßentouren schafften wir solo einen Reiseschnitt von 50 km/h ohne besondere Mühe.

 

Aufgeräumt und ansprechend: die Lenker-Scheinwerferpartie. Zwischen Zündschloss und Tachometer liegt die Kontrolllampe für den Leerlauf. Kupplungs- und Handbremsbowdenzug lassen sich ohne Schraubenschlüssel nachstellen. In der Mitte der Lenkerverkleidung ist die Parkleuchte angebracht. 

 

Inwieweit größere Touren zu zweit ein angenehmes Erlebnis bleiben konnten wir selbst nicht feststellen, da sich kein Soziuspassagier für ein solch frostiges Unternehmen fand. Aber es dürfte feststehen, dass der Mitfahrer allmählich weiche Knie bekommt, denn jede Bewegung der Hinterradschwinge, an der auch die Fußrasten befestigt sind müssen die Kniegelenke mitmachen. Feste Fußrasten (wie bei der „Schwalbe") sind angenehmer.

Die Sitzbank bietet zwei Personen für kurze Strecken ausreichend Platz. Von einem Kind kann der Halteriemen wohl benutzt werden, Erwachsene brauchen jedoch jeden Zentimeter der Bank zum Sitzen und halten sich besser am Fahrer fest (was bei gemischter Besatzung im allgemeinen auch gern in Kauf genommen wird).

Vorsicht ist beim Besteigen der Fußrasten durch gewichtige Personen geboten. Die Rasten verbiegen sich im Laufe der Zeit, wenn man sie wie einen Steigbügel benutzt und womöglich noch ganz außen auf sie tritt. So etwas tut man selbst der kräftigsten Motorradfußraste nicht an.

Das Vollschwingenfahrwerk ist dem Zweipersonentransport gewachsen. Im normalen Fahrbetrieb neigt selbst die Hinterradschwinge dann nicht zum Durchschlagen, wenn die volle Nutzmasse (157 kg) erreicht ist. Ohne Soziuspassagier fährt man ganz spürbar angenehmer, wenn man genau den vorgeschriebenen, Luftdruck (1,2 atü vorn, 1,5 atü hinten) in den Reifen hat. Darauf zu achten lohnt sich. Ein mit 2,25 atü gefüllter Hinterradreifen, wie er für den Soziusbetrieb gefordert wird. lässt das Hinterrad bei Solofahrt auf Pflasterstraßen „hoppeln" und in engen Kurven bei zügiger Fahrt seitlich sogar etwas ausbrechen.

Von den Reibungsstoßdämpfern darf man allerdings auch keine Wunder erwarten.
Sie reichen für ein Fahrzeug dieser Größenordnung und Preisklasse aus, ihre Dämpfung ist aber bei allen Dämpfungs-
geschwindigkeiten gleich groß, sie sprechen nicht so fein an wie beispielsweise die hydraulischen Dämpfer der MZ ES-Typen.
Aber wir sagten es schon im Testbericht über den Kleinroller KR 51: das neue Simson-Vollschwingenfahrwerk halten wir für das mit Abstand beste, das es bisher bei uns für die Kategorie der Kleinfahrzeuge gab.

Der Einsatz beider Bremsen bringt Verzögerungswerte, die denen des Kleinrollers „Schwalbe" fast gleichen. Mit beiden Bremsen erzielten wir auf trockenem Autobahnbeton eine Bremsverzögerung von 7,2 m/s2, die Hinterradbremse allein brachte es auf 4,3 m/s2 und die Vorderradbremse verzögerte mit 6,5 m/s2 so stark, dass man dem „Star"-Fahrer wirklich nur empfehlen kann sich zur Gewohnheit werden zu lassen sie stets mit zu benutzen.
Der Vergleich des Verzögerungswertes beider Bremsen mit dem der Vorderradbremse spricht Bände!

Der „Star" ist ein sehr sicheres Gefährt, und das mag wohl auch mit der Grund gewesen sein, weshalb verschiedene Leser bei uns anfragten, ob man auf ihm wie auch auf der „Schwalbe" nicht zusätzlich noch ein Kind (bis sieben Jahre) mitnehmen könnte.

Ist der „Star" (oder die „Schwalbe“) mit zwei Personen besetzt, darf nur dann ein Kind mitgenommen werden, wenn dadurch die zulässige Gesamtmasse (230 kg) nicht überschritten wird. Kindersitze für alle Simson-Kleinfahrzeuge sind übrigens in Vorbereitung.

Gefahren werden darf der „Star" mit dem Berechtigungsschein für Mopeds von Personen, die das 15. Lebensjahr vollendet haben. Jeder, der ein kleines, sportliches „Nahverkehrsmittel" wünscht, das gelegentlich auch einmal zwei Personen transportiert und außerdem seinen Besitzer zum Urlaubsort bringen kann, fährt mit dem Simson „Star" bestimmt gut.

Uns war er das sympathischste und zugleich schönste Fahrzeug der 50-ccm-Klasse, das wir bisher in die Hände bekamen.
Mögen von der Simson-Vogelschar auch recht viele „Stare" im Lande bleiben, denn man wartet überall, selbst angesichts des Winters, brennend auf sie.

 

Technische Daten

Motor: M53 KF
Arbeitsverfahren: Einzylinder- Zweitakt
Zylinderbohrung: 40mm
Kolbenhub:39,5mm
Hubraum:49,6 ccm
Verdichtungsverhältnis: 9,5:1
Leistung: 3,4 PS bei 6500 U/min
Schmierung: Gemisch 33:1 (beim Einfahren 25:1)
Kühlung: Zwangskühlung durch Radialgebläse

Elektrische Anlage
Schwunglichtmaschine mit Lichtspule: 6V 33W
Batterie: 6V 4,5Ah
Zündzeitpunkt: 1,5mm vor OT
Zündkerze: M14-280
Vergaser: BVF Nadeldüsenvergaser NKJ 153-6
Kupplung: 4 Scheiben- Lamellenkupplung im Ölbad
Kraftübertragung: Motorgetriebe schrägverzahnte Stirnräder
Getriebe- Hinterrad: Einfachrollenkette 1x12,7x5,21x114
Getriebe: 3- Gang- Fußschaltung
Gesamtübersetzung: 1 Gang 31,9:1; 2 Gang 16,8:1; 3 Gang 11,6:1
Ölmenge im Getriebe: etwa 0,5 l Motorenöl 76cSt
Bereifung: 20-2,75
Reifenluftdruck: Vorderrad 1,2 at Überdruck; Hinterachse 1,5 at Überdruck (Solo)
Hinterachse 2,25 at Überdruck (Sozius)

Fahrwerk
Vorderachse: Langarmschwinge mit reibungsgedämpften Federbein
Hinterachse: Schwinge mit reibungsgedämpften Federbein
Max. Einfederung: vorn 105mm, hinten 85mm
Leermasse: 73kg aufgetankt
Zul. Gesamtgewicht: 230kg
Gesamtlänge: 1880mm
Radstand: 1200mm
Gesamthöhe: 1125mm (mit Rückspiegel)
Gesamtbreite: 745mm (mit Rückspiegel)
Kleinster Wendekreis: 3,5 m
Höchstgeschwindigkeit: 62 km/h
Kraftstoffverbrauch: (Testfahrzeug) 3,1 l /100 km
Kfz.- Haftpflicht DDR 8,50 MDM; Berlin 10,50 MDM
Preis: 1200 MDM
   


 

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