ETZ 250
MOTEK-Umbau

ETZ-Gespannumbau auf MOTEK-Schwinge 
 

vorher:

 

nachher:

Als ich zum ersten Mal von der Motek-Schwinge hörte, konnte ich kaum glauben, dass sich solch ein Umbau spürbar lohnen
würde. Aber irgendwie ließ mich dieser Schwingenumbau einfach nicht mehr los und, aus welchen Gründen auch immer,
sah ich nun ständig Gespanne aller möglichen Hersteller mit solch einer Schwinge fahren.
Als dann auch noch bei einem unserer letzten MZ-Sommertreffen gleich drei MZ-Gespanne mit einer Motek-Schwinge neben-
einander standen, ich ein paar Monate später dann sogar im Freundeskreis einen solchen Gespannumbau probefahren durfte,
gab es kein Halten mehr.
Nach 2 Jahren reiflicher Überlegung, ständigem (erfolglosem) Suchen auf den einschlägigen Internetseiten eine gebrauchte
Motek-Schwinge zu bekommen, hatte ich nun schlussendlich aufgegeben und Kontakt mit Volkmar Prietz in 91187 Röttenbach,
aufgenommen.

Meinem Gespannumbau stand nun nichts mehr im Wege und 6 Wochen nach meiner Bestellung beim Volkmar, hatte ich also
einen Haufen Einzelteile, eine Tüte voller Schrauben, Unterlegscheiben und Muttern etc.
in meinem Kofferraum liegen.
... und ein ziemlich mulmiges Gefühl im Magen, ob ich mir diesen Umbau wirklich allein zutrauen kann
.

Die Hilfsbereitschaft von Volkmar, bei Fragen zur Verfügung zu stehen, gab mir Mut den Umbau allein zu wagen.
Zusätzlich bekam ich von ihm eine ausführliche Einbauanleitung, die gut strukturiert Schritt für Schritt den Umbau erklärte.

Das erste und wirklich einzige Problem tauchte gleich zu Anfang beim Ausbau der alten Telegabel auf. Schon im "Wildschrei"
hatte ich davon gelesen, dass zu DDR-Zeiten mangels Dichtmasse gerne für die beiden Gabelschrauben ersatzweise auch
der originale "Erfurter Schuhkleber" genommen wurde. Mit dem machte ich also nun Bekanntschaft. Ich konnte machen was

ich wollte, da ging gar nichts. Die Gabelschrauben ließen sich beim besten Willen nicht lösen.
Auch eine Verlängerung mittels Eisenrohr an meinem 24er-Maulschlüssel hat lediglich dazu geführt, dass die Verlängerung
sich verbog. TEUFELSZEUG grrrrrrrrrrr.......

            

Abhilfe konnte jetzt nur noch ein Schlagschrauber und ordentlich Hitze bringen. Mangels Stromanschluss in meiner Garage
brauchte ich ein 12V-Gerät. Fündig wurde ich nach einiger Suche im Internet bei einem 12V-Schlagschrauber der Firma
Mannesmann. Bezahlbar und mit 340 Nm hoffentlich genug "Wumms".
(Ergänzung: der Schlagschrauber hat zwar Kraft bewiesen, sich aber auch schnell nach 4x kompletten Reifenwechseln am
PKW gleich wieder verabschiedet. Somit keine Empfehlung. Qualität geht anders, kostet dann aber auch mehr...)

Mit einer Lötlampe wurden nun zunächst die Standrohre ordentlich erhitzt, zwei drei Prellschläge auf die Gabelschrauben
platziert, der Schlagschrauber mit einer anständigen Nuß angesetzt und ... die Schrauben kamen in Bewegung.
Auf dem obigen Foto kann man gut den Schuhkleber erkennen....

Die alte Gabel war dann schnell ausgebaut, nachdem die beiden Klemmen an der unteren Gabelbrücke gelockert waren.

Zum Einbau der neuen Schwingenholme baute ich mir eine einfache Einzugvorrichtung. Da beide Holme sehr passgenau
gefertigt waren, ließen sie sich durch die Pulverlackbeschichtung nicht so ohne weiteres durch die Gabelbrücken schieben.

            

Also wurden zwei passende Gewindestangen durch die Aufnahmen der obere Gabelbrücke in die Gewindebuchsen der
beiden Schwingenholme gedreht, jeweils eine große Unterlegscheibe zum Kontern mit Mutter montiert und schon ließen
sich die Holme ganz einfach durch gleichmäßiges Anziehen der beiden Muttern sauber bis zum oberen Anschlag einfädeln.


           

Die weitere Montage der Schwinge und der Hagon-Federbeine erfolgte genau nach schriftlicher Anleitung vom Volkmar.
Ich war überrascht, wie sauber alles zusammenpasste. Da der Bremssattel von der rechten auf die linke Seite wanderte,
musste auch der Reifen wegen der umgekehrten Laufrichtung auf der Felge gedreht werden.
Bei der Montage der Bremsankerplatte, die sich auf dem Achsbolzen abstützt, muss zum Einbau des Vorderrades das
breite gegen das flache Distanzstück getauscht oder das vorhandene Distanzstück entsprechend gekürzt werden.

            

Schon länger gefiel mir die ETZ-Lampe an dem Gespann nicht mehr da ich die TS-Lampe stimmiger finde.
Für den Umbau müssen die Schwingenholme durch die originalen TS-Lampenhalter geführt werden. Der alte ETZ-
Lampentopf flog nun also endgültig 'raus. Ebenso wurde der Drehzahlmesser mitsamt Antrieb demontiert und stillgelegt.
Durch einen glücklichen Umstand konnte ich einen der sehr seltenen, verchromten TS-Lampentöpfe mit Tachoöffnung be-
kommen. Ursprünglich waren diese Lampengehäuse nur an der amerikanischen Exportversion der MZ TS 250 vorhanden
und somit eigentlich gar nicht mehr zu bekommen. Tacho, Reflektor und Scheinwerferglas hatte ich mir bereits besorgt und
das ETZ-Zündschloss wurde einfach ausgebaut, etwas angepasst und in das neue TS-Gehäuse montiert.

            

Durch den Wechsel der Bremsscheibe mitsamt Sattel auf die linke Seite, wurde die alte Bremsleitung mit ihren 70 cm zu
kurz und musste gegen eine 80 cm Leitung ausgetauscht werden.
Eine gute Gelegenheit dabei auch die Bremsflüssigkeit zu wechseln, da diese ohnehin abgelassen werden muss.

Übrigens: Die MZ-Bremse entlüftet sich sehr gut von allein, nachdem man solange mit dem Handbremshebel gepumpt
hat bis keine Luftbläschen mehr aufsteigen. Den Lenker dann links einschlagen, damit der offene Ausgleichsbehälter
(Deckel nicht aufschrauben) den höchsten Punkt hat. Dann den Handbremshebel bis zum Lenkergriff anziehen und fixieren.
In der Regel entlüftet sich die Bremse dann innerhalb von 24-48 Std. (Achtung: Bremsflüssigkeit ist sehr agressiv. Deshalb
sollten Lackflächen vor Arbeiten an der Bremsanlage gut mit Tüchern abgedeckt werden.) Nach dem Entlüften sollte ein
deutlicher Druckpunkt am Handbremshebel vorhanden sein.

            

Durch die neue Schwinge wird es erforderlich das Originalschutzblech anzupassen, da die Befestigung an den Schwin-
genholmen nicht mehr möglich ist. Also wurden beide Halterungen am Schutzblech abgeschnitten und entsprechende
Bohrungen für die neue Schutzblechbefestigung (vorne am Schutzblechbügel und hinten am Schwingenbogen) angebracht.

            

Wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind, fehlt nur noch der Eintrag der Schwinge in den Fahrzeugpapieren durch den TÜV.
Das erforderliche Gutachten gibt es beim Kauf der MOTEK-Schwinge dazu.

Die erste Probefahrt überzeugt und macht aus dem ETZ-Gespann ein deutlich leichter händelbares "Dreirad". Kein Vergleich
zu der wenig verwindungssteifen Telegabel.

 

 

 


 

 


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